fit & munter

10 Tage wandern auf der Rota Vicentina

In der Ferne sehen wir schon unser Endziel des Fischerpfades, das Dorf Porto Covo, aber bis dahin sind es noch eine gute Stunde oder sogar mehr. Gottlob gibt es noch ein Restaurant beim Forte do Pessegueiro, wo wir unseren Zuckerhaushalt mit einer Cola wieder in Ordnung bringen können. Denn dies ist die anstrengendste Etappe unserer Tour. Seit drei Tage gehen wir auf sandigem Untergrund, was ziemlich anstrengend ist. Zudem scheint meistens, ungewöhnlich für diese Jahreszeit (Februar), die Sonne am stahlblauen Himmel seit fast ununterbrochen neun Tagen. Jipiii …

9 Tage mit Blick aufs Meer. Rota Vicentina in Portugal.

9 Tage wandern mit Blick aufs Meer und eine Meerbrise im Gesicht auf der Rota Vicentina in Portugal.

Von Vila Nova de Milfontes nach Port Covo ist die letzte Strecke am Meer auf dem Fischerpfad (Fishermen’s Trail) der Rota Vicentina. Da wo die meisten Wanderer die Strecke starten, hören wir jedoch auf. Am nächsten Tag geht es dann auf dem Verbindungsweg noch zu unserem definitiven Ziel, dem Städtchen Cercal do Alentejo, von wo wir wieder nach Lissabon zurückkehren. Viel zu schnell sind diese 10 Wandertage verflogen.

Doch nun von Anfang an: wir sind auf der Rota Vicentina, einem Netzwerk von Wanderwegen im Naturpark Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina im Südwesten Portugals. Genauer gesagt, begehen wir den Fischerpfad vom Süden in den Norden. Unsere Tagesstrecken variieren zwischen 15 bis 23 km und ab und an verlassen wir den offiziellen Trail, um die Strecke abzukürzen oder eine nach unserem Gutdünken schöneren Abschnitt zu begehen.

Wir sind Mitte Februar unterwegs, was natürlich andere Herausforderungen mit sich bringt, wie wenn man diese z.B. im April machen würde. Das Wetter und die Temperaturen sind entscheidend.

Ich unterlasse es nun, über die Schönheit der einzelnen Etappen zu palavern und lasse ich die Bilder für sich sprechen. In vielen Abschnitten erinnert die Landschaft und Streckenführung an den South West Coast Path in Cornwall im Süden Englands, auf dessen Pfaden wir vor zwei Jahren gegangen sind und über welchen ich auch schon geschrieben habe.

Hier nun unsere Tagesabschnitte auf der Rota Vicentina Fishermen’s Trail mit Bildern und aufgezeichnet mit der Openstreet Map von Komoot (auf der Landingpage nach unten scrollen):
– Tag 1 von Sagres nach Vila do Bispo https://www.komoot.de/tour/27008792
– Tag 2 von Vila do Bispo nach Carrapateira https://www.komoot.de/tour/27030237
– Tag 3 von Carrapateira nach Arrifana https://www.komoot.de/tour/27042969
– Tag 4 von Arrifana nach Aljezur https://www.komoot.de/tour/27086405
– Tag 5 von von Aljezur nach Odeceixe https://www.komoot.de/tour/27135439
– Tag 6 von Odeceixe nach Zambujeira do Mar https://www.komoot.de/tour/27162892
– Tag 7 von Zambujeira do Mar nach Almograve https://www.komoot.de/tour/27187851
– Tag 8 von Almograve nach Vila Nova de Milfontes https://www.komoot.de/tour/27211280
– Tag 9 von Vila Nova de Milfontes nach Porto Covo https://www.komoot.de/tour/27238590
– Tag 10 von Porto Covo nach Cercal do Alentejo https://www.komoot.de/tour/27264440 

Anstelle von umfangreichem Prosa denke ich, dass nachfolgende Informationen hilfreicher für die Community sind, immer im Fokus, dass wir im Februar, also zu einer kalten Jahreszeit, unterwegs waren.

  • Zahlen
    Wir haben 192 km und 2580 Höhenmeter in 10 Tagen zurückgelegt.
  • Von und nach Lissabon
    Aufgrund der wenigen Zeit haben wir die Komfortvariante gewählt und sind jeweils mit einem Privatauto von Daniel Nunes AskForARide (gebucht auf gettransfer.com) sehr gut gefahren. Natürlich gibt es auch je nach Jahreszeit diverse und günstigere Busverbindungen mit EVA Transportes oder auch Rede Expressos.
  • Warum im Februar?
    Eher aus Verlegenheit haben wir diesen Termin gewählt. Dies hat sich jedoch im Nachhinein für uns als ideal herausgestellt. Und warum? Im Februar hat es sehr wenige Wanderer unterwegs, d.h. man hat dem Pfad fast für sich alleine. Die Unterkünfte hatten wir teilweise ebenfalls alleine für uns und es war somit herrlich still. Trotzdem wurde uns fast immer die komplette Dienstleistung wie z.B. ein umfangreiches Frühstück geboten. Es wurde also «nur wegen zweier Gästen» nichts reduziert. Im Restaurant dasselbe, keine Wartezweiten, kein Gedränge und schon fast ein persönlicher Service nur für uns zwei Wandervögel. Nochmals, herrlich.
  • Vom Süden in den Norden?
    Die meisten Wanderer gehen vom Norden in den Süden, vermutlich weil auf der offiziellen Webseite der Weg so beschrieben ist. Ohne besonderen Grund haben wir die umgekehrte Variante gewählt. Für uns war ausschlaggebend, dass wir von Lissabon schnell weg und direkt in den Süden kommen. Der für uns wirkliche Vorteil hat sich erst auf der Wanderung herauskristallisiert. Vorteil 1: wir hatten die Sonne immer im Rücken und nicht im Gesicht. Dadurch haben wir die Farben zu den unterschiedlichen Tageszeiten viel intensiver mitbekommen. Wer gegen die Sonne läuft, sieht alles irgendwie wie durch ein Milchglas und wird auch geblendet. Vorteil 2: im Februar hatten wir kaum jemanden «vor» uns, da uns alles entgegengekommen sind. Ergo, den ganzen Trail – einmal mehr – für uns fast alleine.
  • Wetter/Temperaturen im Februar
    Wir hatten unverschämtes Glück. 10 Tage am Stück fast ausschliesslich blauer Himmel und somit strahlende Sonne. Ab ca. 10 Uhr morgens waren nur noch T-Shirt und Shorts angesagt und es wurden gut und gerne 15/16 Grad erreicht. Gegen 16 Uhr wurde es dann deutlich kühler, so dass sich unser tägliches Picknick (mit Blick aufs Meer) und die regelmässige Siesta gegen 13/14h einpendelten. Am Abend hingegen waren wir um unsere Langarm-T-Shirt-Softshell-Daunenjacke-Combo froh. 
  • Unterkünfte
    Entlang der Rota Vicentina hat es mehr als genügend Unterkünfte. Von günstig bis komfortabel gibt es alles. Die Herausforderung ist im Februar eher, dass viele davon geschlossen sind. Wir haben unsere Nächte vorausgebucht. Dies geht ganz leicht mittels diverser APPs wie z.B. von Hotels.com oder Booking.com. Da die Unterkünfte jedoch eine Kommission bezahlen müssen, haben diese es jedoch lieber, wenn man direkt bei ihnen auf der Webseite bucht (sofern vorhanden). Zu beachten gilt auch, dass einige nur Barzahlung akzeptieren. Im Februar kann es am Abend empfindlich kalt werden und wir waren immer froh, wenn wir wenigstens einen stromfressenden Elektro-Ofen im Zimmer vorfanden.
  • Restaurants
    Was die Jahreszeit angeht, besteht hier das gleiche Problem. Viele Restaurants sind geschlossen, jedoch hatten wir keine Mühe, am Etappenziel jeweils mindestens eines zu finden, das offen hatte. Und da wir im Februar unterwegs waren, hatten wir eben diesen schon fast persönlichen VIP-Service 🙂 – die günstigen Preise wurden teilweise einfach aus des Besitzers Ärmel geschüttelt und improvisiert oder es gab schon gar keine Karte. Also, uns hat das gut gefallen und die Preise waren immer sehr moderat.
  • Vegetarisches Essen
    Das Essen ist ziemlich fleisch- und fischlastig. Jedoch fanden wir ab und an EIN vegetarisches Gericht auf der Karte. In Vila Nova de Milfontes gab es sogar ein Vegi-Restaurant (leider hatte es zu). Ich denke, je mehr nach vegetarischem Essen verlangt wird, desto mehr wird dies hier auch angeboten.
  • Marsch-Verpflegung
    Bei jeder Unterkunft fanden wir entweder eine Bäckerei oder Mini Supermarkt, wo wir uns mit Brot uns Käse eindeckten. Nicht zu vergessen ist viel Trinkwasser mitzunehmen, da dies unterwegs so gut wie nie zur Verfügung stand. Und wie schon erwähnt, Sonnenschein den ganzen Tag, was durstig macht.
  • Ausrüstung/Gewicht
    Die Ausrüstung ist natürlich jeweils eine persönliche Sache. Trotzdem hatte uns diese Frage unterwegs immer wieder interessiert. Wieviel nehmen andere mit? Ohne Zelt hatten sich so alle in etwa bei 7 bis 8 Kilo eingependelt. Mit Zeltausrüstung natürlich etwas mehr. Für uns nicht mehr ganz jungen Wanderer war dieses Gewicht ideal. Dazu kamen jeweils noch die Tagesverpflegung, was aufgrund des Wassers nicht unerheblich mehr war.
  • Karte oder Digital?
    Für die Rota Vicentina gibt es Kartenmaterial, welches man auch im Süden Portugals direkt in kleinen Läden kaufen kann. Ich jedoch verzichtete aus Gewichtsgründen vollständig darauf und verwendete «digitale Karten», nachfolgend genannte Openstreet Maps. Um die Route zuhause vorzubereiten (wie lange? wie hoch? etc.) und anschliessend vor Ort direkt aufzuzeichnen die Outdoor- und Routenplaner-APP «Komoot» . Weil einige Details, z.B. kleine Gassen in Städten, nicht immer aufgezeichnet sind, zusätzlich noch die APP «CityMap2Go» von Ulmon. Beide APPs kann man offline, also auch ohne Internetverbindung verwenden und eignen sich vorzüglich, um den Weg nicht aus den Augen zu verlieren.
  • WLAN
    Man/n höre und staune. Selbst in entlegenen Dörfern fanden wir immer WiFi. In Kneipen öffentlich auf einem Schild mit Passwort. Da kann sich die Schweiz noch eine dicke Scheibe abschneiden. 
  • Hunde
    Sobald wir einen Weg weg von der Küste nahmen, kamen wir an Behausungen vorbei, welche oft mit einem oder sogar mehreren kläffenden Hunden besetzt waren. Die armen Viecher sind tagtäglich angekettet, was uns als Wanderer natürlich entgegen kam. Trotzdem hatten wir ein Erlebnis, wo uns ein freilaufender Hund mitten im Dorf quasi angegriffen hat. Aus diesem Grund ist es vielleicht nicht falsch, einen Stock griffbereit zu haben.
  • Sprache
    Ich will jetzt nicht Klugscheissen, aber sobald wir ein paar Brocken Portugiesisch in die Runde geworfen hatten, war das eh schon dünne Eis gebrochen. Wir hatten die Portugiesen als durchwegs freundliche Menschen kennengelernt und einem Palaver steht nichts im Wege. Und hier noch ein Tipp von einem Einheimischen: Portugiesen sind keine Spanier. Wer also in Ermangelung von portugiesischen Sprachkenntnissen Spanisch sprechen möchte, soll dies doch bitte vorher irgendwie sagen. Dann sind alle zufrieden. Ferner würde ich behaupten, dass alle die etwas Italienisch oder Spanisch sprechen, Portugiesisch zumindest lesen können. Ist doch mal hilfreich bei der Speisekarte.

So, mehr interessantes fällt mir nicht mehr ein und falls doch, werde ich dies laufend ergänzen.

Eure Kommentare und Fragen würden mich freuen und wer bald auf der Rota Vicentina unterwegs sein wird, dem wünsche ich viele schöne Stunden.



 

Wer mehr Details zur Rota Vicentina erfahren möchte, dem lege ich folgende Links ans Herz:

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